Man sollte die Dinge so nehmen, wie sie kommen. Aber man sollte dafür sorgen, daß die Dinge so kommen, wie man sie nehmen möchte.
Curt Goetz

Hier gibt es die HTMl Version meiner Abschlussarbeit am  TCM Ausbildungszentrum Süd zu lesen. Der Text ist für Anfänger der chinesischen Medizin sicher schwer Verständlich, da ich viele Fachbegriffe benutze, ohne Sie ausreichend zu erläutern, aber er ist ja auch nicht als Einführung in die TCM gedacht.

TCM-Ausbildung des ABZ-Süd
Prüfungs-Fragen 2007

Die Fragen basieren auf dem vermittelten Stoff des 3. Unterrichtsjahres mit Johann Wittmann.

Bearbeitet von:
Torsten Ziegler
Berlin, den 22. Juni 2007
torsten [at] ziegi.de

Inhaltsverzeichnis

1. Was verstehen Sie unter: Shen-Jing, Yin-Yang, Ying-Wei, Qi-Xue

2. Nennen Sie die untrüglichen Schwäche-Zeichen des: Shen, Jing, Yin, Yang, Ying, Wei, Qi, Xue

3. Die Entgleisung welcher physiologischen Prozesse zeigt sich als: Wind, Hitze, Feuchtigkeit, Kälte, Trockenheit, Schleim Nennen Sie zu jeder Entgleisung die untrüglichen Zeichen

4. „5er-System“: Welche ist die funktionelle Beziehung zwischen den jeweiligen zwei Funktionskreisen einer Wandlungsphase?

5. „8er-System“: Welches ist die funktionelle Beziehung der vier mal zwei Wundermeridiane in Bezug auf die Energieformen: Shen-Jing, Yin-Yang, Ying-Wei, Xue-Qi

6. Beschreiben Sie den Verwandlungsprozess der Materie zu Energie und den Verwandlungsprozess der Energie zu Materie

7. „6er-System“ des Öffnenden, Angelpunktartigen, Schließenden: Schildern Sie die funktionelle Beziehung zwischen den jeweils zwei Funktionskreisen desTaiyang, Shaoyang, Yangming, Taiyin, Shaoyin, Jueyin

8. Öffnendes, Angelpunktartiges, Schließendes: Wandlungsprozesse

9. Schildern Sie die Beziehung der vier Meere untereinander

10. Schildern Sie das funktionelle menschliche Gefüge an Hand der Funktionen der acht Hui.

11. Welche Arten von Punktkombinationen verwendet man wann?

12. Woran erkennen Sie „spontane“ Akupunktur-Einwirkstellen?Wie wird die Differentialdiagnose an ihnen ausgeführt und welche Maßnahmen bzw. Stimulationsarten ergeben sich daraus?

13. In welcher Funktion sehen Sie sich, während Sie dieses System praktisch ausüben?

Hinweise

Wenn im Folgenden von Herz, Niere, Lunge etc. gesprochen wird ist dies immer im Sinne des entsprechenden Funktionskreises zu verstehen. Falls doch einmal das Organ bezeichnet werden sollte ist dies ausdrücklich angegeben.

Die Art und Weise, wie die Begriffe Yin und Yang in den Abschnitten 1, 2 und 5 benutzt werden unterscheidet sich von der in der Literatur üblichen. Da die Fragen auf das Begriffspaar Yin-Yang im Sinne von Energieebenen und als Prozesse im Mikrokosmsos Mensch abzielen werden die Begriffe von mir auch zumeist in diesem Sinne benutzt und nicht im einem makrokosmischen, eher absolutem Bezug wie sonst üblich.

1. Was verstehen Sie unter: Shen-Jing, Yin-Yang, Ying-Wei, Qi-Xue

Bei diesen vier Begriffspaaren handelt es sich um verschiedene Energieformen bzw. Energie- und Prozessebenen des menschlichen Körpers.
Diese vier Ebenen lassen sich zu:
Idee: Shen-Jing,
Möglichkeit: Yang-Yin,
Werdung: Wei-Ying,
Vollendung: Qi-Xue
klassifizieren und können als eine hierarchische Folge gesehen werden, in der eine Ebene auf die andere aufbaut. Sie beschreiben damit das Funktionsgefüge des Menschen, seine Antriebe, Bedürfnisse, Aktionen, sein gesamtes Dasein.

1.a) Shen-Jing

Shen-Jing steht für die höchsten, am wenigsten irdischen Energien.

Shen steht für das Konzept hinter allem, die Idee. Shen beschreibt im Mikrokosmos Mensch den Bauplan und die Bestimmung des Individuums, so wie es im Makrokosmos als göttliche Idee den Weg alles Seins umschreibt. Shen ist dabei ganz Geist, und wird erst durch seine Einwirkung auf formbare Materie sichtbar.

Jing steht für die gröbste, ungeformteste Materie. Jing ist reine Baumasse, ohne Struktur oder Bestimmung, in seiner Unbestimmtheit vergleichbar mit einer leeren Leinwand. Erst unter dem Einfluss von Shen bekommt Jing Struktur und wird greifbar. Jing ist der Raum, der empfänglich ist für Shen. Porkert beschreibt Jing als undeterminiertes Struktivpotential.

In ihrer Absolutheit sind Shen und Jing die Grundlage alles Seins und so kann die Shen-Jing Ebene mit Tien, dem allumfassenden Himmel oder Universum verglichen werden.

Shen prägt Jing, daraus entsteht Ling.
Kommen Shen und Jing zusammen und kann Shen sein Idee in Jing umsetzen, so entsteht eine körperliche Ausprägung, ein Individuum mit einer Struktur und Kraft (Struktivkraft: Ling). Sie findet ihre Vollendung im sich bewegenden Menschen, in der dreifachen Ordnung (Sanjiao) innerhalb der menschlichen Hülle (Xin Bao)

Im menschlichen Körper repräsentieren die beiden außerordentlichen Meridiane Du Mai und Ren Mai die Funktionen von Shen und Jing, als Verwalter des Richtungsgebenden und des Empfangenden.

Die gesunde Interaktion von Shen und Jing zeigt sich in der Lebendigkeit des Individuums. Ist Shen schwach so fehlt es dem Menschen an Lebensenergie, ist Jing schwach so mangelt es ihm an Substanz.

Shen und Jing Energien werden im Zeugungsakt auf das Kind übertragen und bilden seine Lebensgrundlage. Sie werden durch die Ernährung und Transformation der Nahrung, also den Yin Prozess ständig ergänzt.

1.b) Yin-Yang

Yin und Yang sind die Prozesse des Entstehens und Vergehens, des Aufbaus von Materie und des Auflösens in Bewegung.

Im Yin Prozess wandelt sich die unstrukturierte Baumasse Jing zu der dem Individuum eigenen Struktur und Form. Der Prozess hin zum Yin, hin zum Festesten, Eigentlichsten des Menschen ist der der Personalisierung. Die Bausubstanz muss immer weiter verfeinert werden, bis sie alle Unbestimmtheit verloren hat und zutiefst dem Menschen eigen ist. Die Richtung des Yin Prozesses ist nach innen, unten, der Sinn ist das Sammeln und Verdichten, das Inidividuieren.

Yang ist Energie und Bewegung, die unter Benutzung und Auflösung der angesammelten Yin Materie entsteht. Der Yang Prozess beginnt tief im Innersten des Menschen und reicht bis über den Körper hinaus in die Umwelt des Individuums. Die Richtung des Yang Prozesses geht nach oben und außen, der Sinn ist zu agieren und sich zu zerstreuen unter letztendlicher Auflösung des Individuums.

Voraussetzung für den Yin als auch für den Yang Prozess ist die unter 1.a beschriebene Interaktion von Shen und Jing. Während Shen und Jing noch zweidimensional, ungreifbar sind wird die Energie mit Yin und Yang irdisch, dreidimensional und real,

1.c) Ying-Wei

Ying und Wei sind die Realisation von Yin und Yang, die Funktionen des Körpers, der sich ernährt und schützt.

Ying ist die Energie, mit der der individuelle Körper letztendlich aufgebaut und am Leben erhalten wird. Sie entsteht, genauso wie Wei (s.u.) aus der Transformation der aufgenommenen Nahrung und Luft unter dem Einfluss von Shen. Ying ist vorläufiges Ergebnis des Yin Prozesses, der erst in der Ebene des Qi und Xue beendet ist.

Wei ist Energie, die im Körper zirkuliert und das Yin umhüllt und es schützt. Wei ist ein Teil des Yang Prozesses, der sich noch im Körperinneren abspielt.

Ying und Wei sind das Ergebnis der Ernährung des Menschen. Sie werden von Magen, Milz und Lunge erzeugt und verteilt um den gesamten Organismus zu versorgen. Dabei bewegt sich Ying Qi in den Leitbahnen im inneren des Körpers, versorgt und nährt die Organe, Wei Qi bewegt sich unter der Haut, ernährt, wärmt und bildet einen Schutzschild gegen das Außen.

Bei Ying und Wei handelt es sich um Energie die in Bewegung ist und die Ihrer Vollendung in Xue und Qi entgegenstrebt.

1.d) Qi-Xue

Qi und Xue sind das, was den Menschen hier in der Welt real erscheinen lassen. Sie entsprechen der makrokosmischen Idee von Yin und Yang im Mikrokosmos Mensch. Sie sind die Vollendung des Werdens und Ernährens des Menschen, Porkert beschreibt sie als die Achse der Aktualität.

Xue ist die Materie des Individuums. Porkert nennt sie individualspezifische Struktivität, es umfasst in diesem Sinne nicht nur das Blut und die Körperflüssigkeiten sondern die gesamte Leiblichkeit.

Qi ist die Kraft mit der das Individuum in die Welt tritt, die es erwärmt und im Innen (in den Organen) und im Außen aktiv sein lässt.

Qi und Xue sind dabei nicht voneinander zu trennen, eines kann nicht ohne das andere physiologisch existieren. Reines Xue wäre eine leblose Masse, reines Qi körperlose Aktivität.

2. Nennen Sie die untrüglichen Schwäche-Zeichen des:
Shen, Jing, Yin, Yang, Ying, Wei, Qi, Xue

Die Schwäche eines Funktions- oder Energieaspektes im menschlichen Körper zeigt sich immer im unzureichenden Zustandekommen der entsprechenden physiologischen Funktion.

2.a) Schwäche des Shen

Shen ist die Idee, das Konzept des Menschen.
Eine Schwäche des Shen muss sich somit in einer Schwächung des Konzeptes äußern.

Auf geistiger Ebene kann dies ein Fehlen der Lebensperspektive sein, dies drückt sich körperlich in einem Mangel von Lebendigkeit aus. Shen zeigt sich im Glanz der Augen, der bei einer Schwäche des Shen verblasst. Die mangelnde Prägungskraft des Shen kann sich auch in unzureichender körperlicher Strukturierung zeigen.

Symptome: psychiatrische Erscheinungen, Mangel an Lebenswille und Zielstrebigkeit, verwirrte Sprache, fahler Gesichtsausdruck, Vergesslichkeit, inadäquate Reaktionen auf die Umwelt.

Kaptchuk schreibt: „Shen ist die Bewusstheit, die aus unseren Augen strahlt, wenn wir wahrhaft wach sind.“1

2.b) Schwäche des Jing

Jing ist die Ursubstanz die dem Aufbau des Körpers dient, es bildet die Basis für Reproduktion und Entwicklung.

Ist Jing geschwächt fehlt es dem Menschen an materieller Entwicklung.
Die Symptome sind unzureichende Reifung, geschmälerte Fortpflanzungsfähigkeit, angeborene Missbildungen.
Verfrühte Alterung ist auch auf einen Mangel an Jing zurückzuführen.

2.c) Schwäche des Yin

Yin ist der strukturierende, aufbauende Prozess.
Ist er gestört wird nicht genug Materie zu körpereigener gemacht und eingebaut.

Der Prozess der Yin Formung beinhaltet das zur Ruhe kommen, die Ernährung, das zu sich Selbst kommen und die Abgrenzung nach außen, das Zusammenhalten des Selbst und seine Schwäche kann sich somit in Problemen in der Ich-Du Beziehung zeigen und des Lebensrhythmus.

Die Folge hiervon ist Strukturverlust, da der Yang Prozess (vorläufig) weitergeht wird körpereigene Materie abgebaut, es kommt zu einem scheinbaren Überfluss der Yang Energie.

Symptome: Unruhe, Schlaflosigkeit, mangelndes Selbstvertrauen, Angst, Abgrenzungsprobleme. Im weiteren folgen Strukturverlust und Hitzezeichen.
Wird eine Yin Schwäche im klassischen Sinne betrachtet und nicht wie im einleitenden Hinweis beschrieben, so ist eine Schwäche des Yin schon der Strukturverlust und ihr Hauptsymptom ist die Leere Hitze.

2.d) Schwäche des Yang

Yang ist der bewegende, nach außen gehende Prozess.

Ist er gestört kommt es zu mangelnder Partizipation an der Außenwelt, zum erkalten des Feuers, das die Funktionen des Menschen antreibt. Fehlt Yang kommt es zum Erkalten des Menschen und zur Stagnation.

Symptome: Antriebslosigkeit, keine Kraft zur Kommunikation, leise Stimme, Zurückgezogenheit.
Im klassischen Sinn ist eine Schwäche des Yang eine extreme Form der Qi Schwäche und ihr Hauptsymptom ist die Kälte.

2.e) Schwäche des Ying

Ying ist die Bausubstanz, die letztendlich zu Xue werden und den Körper erhalten soll.

Sie wird geschwächt, wenn die Aufnahme und/oder Transformation der Nahrung gestört ist. Symptome hiervon können einerseits Mangel an Bauenergie mit folgender körperlicher Schwäche, andererseits auch Ansammlung nicht Transformierter Materie sein. Schwäche des Ying wirkt sich langfristig auf das Blut, die Körpersäfte und das Yin des ganzen Körpers aus.

Symptome: Abmagerung, Blutmangel, Atrophien unterschiedlicher Lokalisation.
Die primäre Störung der Transformation verursacht die Symptome Verdauungsschwäche, Appetitlosigkeit.

2.f) Schwäche des Wei

Wei ist die unter der Haut zirkulierende Wehrenergie.

Ist sie geschwächt kommt es einerseits zu Störungen durch die mangelnde Zirkulation, und andererseits zur Schwächung der Abwehr nach außen. Die Haut wird nicht mehr ausreichend versorgt und die Kontrolle über die Poren lässt nach.

Symptome: allgemeine Abwehrschwäche, trockene Haut, profuse Schweiße, Stagnation und Sensibilitätsstörungen von Hautbereichen.

2.g) Schwäche des Qi

Qi ist die Energie mit der ein Mensch in die Welt tritt, und die seine Lebensfunktionen erhält.

Ist sie geschwächt besteht eine Antriebsschwäche und der Mensch fühlt sich müde, da Qi im Körper nicht mehr ausreichend zirkuliert kann auch Stagnation auftreten, da die Yin Energien und Substanzen nicht mehr ausreichend bewegt werden können. Qi Schwäche kann je nach Lokalisation verschiedene Ausprägungen haben.

Symptome: Kraftlosigkeit, rasche Ermüdbarkeit, Müdigkeit, je nach Ort der Qi Schwäche Beeinträchtigung der Funktionskreis- und Organfunktionen wie z.B. Atemprobleme bei Lungen Qi Mangel, Verdauungsschwäche und Müdigkeit nach dem Essen bei Milz Qi Mangel, etc.
Kälte gehört klassischerweise zum Yang Mangel, ich rechne sie hier jedoch auch zum Symptom der Qi Schwäche.2

2.h) Schwäche des Xue

Xue ist die eigentliche Materie des Menschen, die Körperflüssigkeiten, das Blut.3

Ist Xue geschwächt, so fehlt es an kühlender Substanz, es kommt zu Unruhe und zur Entwicklung von Hitze, die die Körpersubstanz aufzehrt.

Symptome: Trockenheit, Leere Hitze, Träume, Blutmangel, Strukturverlust (Abmagerung, Knochen, Zähne), Unruhe, Schlaflosigkeit, Nachtschweiße, Angst. Je nach Ort des Mangels kommt es zu entsprechenden Hitzezeichen, z.B. Magenhitze, Herzfeuer, etc.
Klassischerweise werden der Xue Schwäche, also dem Blutmangel als Symptome traumgestörter Schlaf, Blässe, nächtliche Wadenkrämpfe (Leberblutmangel) zugeordnet. Siehe hierzu Fußnote 2.

3. Die Entgleisung welcher physiologischen Prozesse zeigt sich als:
Wind, Hitze, Feuchtigkeit, Kälte, Trockenheit, Schleim
Nennen Sie zu jeder Entgleisung die untrüglichen Zeichen

Im Su Wen heißt es: „Wenn das Yin ruhig und das Yang ausreichend vorhanden ist, sind die Lebensfunktionen unter Kontrolle“. Somit ist jede Erkrankung auf eine Unausgeglichenheit von Yin und Yang zurückzuführen.

Die pathologischen Zustände Wind, Hitze, etc. können jeweils äußerliche oder innerliche Ursachen haben. Liegen äußere pathogene Faktoren – die genau wie die Erkrankung auch Wind, Hitze, etc. genannt werden – vor, muss auch eine entsprechende Disposition beziehungsweise Schwächung der Abwehrkraft vorliegen. Dies basiert auf einer Schwächung der entsprechenden physiologischen Funktion, wie sie unten beschrieben werden. Jegliche Entgleisung von physiologischen Prozessen schwächt dabei die Widerstandskraft (Zheng Qi) und kann das Eindringen von Pathogenen erleichtern.

Die pathologischen Zustände können jedoch auch innere Ursachen haben. Die zugrundeliegenden Störungen der physiologischen Abläufe können sich dabei durch übermäßige Emotionen, durch eingedrungene pathogene Faktoren die durch Abwehrkampf des Körpers nicht vollständig beseitigt wurden oder durch Belastungen (Nahrung,Arbeit,etc.) entwickelt haben.

Da sich die Frage auf die Entgleisung der physiologischen Prozesse richtet werden im folgenden äußere Pathogene nur am Rande betrachtet. Sie können dabei aber sehr wohl die selben oder ähnliche Symptome hervorrufen.

3.a) Wind

Wind ist ein schnelle, plötzliche, unkontrollierte Dynamik, die den ruhigen Fluss der Dinge durcheinander bringt. Wind entsteht wenn der gleichmäßige Fluss, für den die Leber zuständig ist, gestört ist. Innerer Wind wird deshalb auch Leber Wind genannt. Dies kann mehrere Ursachen haben, die alle auf einem Mangel des ruhigen Leber Yin beruhen.

  • Fülle des Leber Yang.

  • Der Fluss des Leber Qi ist gestört, es liegt eine Leber-Qi Stagnation vor. Dies hat häufig emotionale Ursachen.

  • Durch ein Schwächung des (Leber und Nieren) Yin in seiner Funktion der Verankerung der Yang Energie kann Leber Yang unkontrolliert nach oben Schlagen und Wind verursachen

  • Besteht eine Schwäche des Blutes (durch Austrocknen der Körpersäfte durch Hitze) kann sich in den „mangelhaft gefüllten“ Gefäßen turbulenter Wind erheben.

  • Schleimhitze (z.B. durch Nahrungsstagnation) kann Wind erzeugen.

Wind tritt gerne an den oberen, äußeren Körperpartien in Erscheinung.
Er äußert sich in unstetigen, wandernden Schmerzen, Jucken und Hautausschlägen wechselnder Lokalisation, Zittern und Zuckungen, er tritt schnell und plötzlich auf.
Typisch für äußeren Wind sind Fieber mit Frösteln, Abneigung gegen Wind und die typischen Anfangszeichen einer Infektionskrankheit mit Kopf und Muskelschmerzen.
Typisch für inneren Wind sind Schwindel, Krämpfe, Kopfschmerzen, Migräne, Tinitus, Parästhesien, Zuckungen und Apoplex, sowie die pathologische Veränderung von Sehnen und Augen.
Der Puls wird Zeichen von Stagnation aufweisen und die Zunge kann zittern oder zur Seite abweichen.

Äußerer Wind gilt als Speerspitze in dessen Gefolge andere Pathogene leicht in den Körper eindringen können, er verbindet sich gerne mit Hitze, Nässe, Trockenheit und Kälte.

3.b) Hitze

Physiologisch balancieren sich Yang und Yin, Hitze und Kälte. Dieser Ausgleich kann gestört sein durch eine Fülle des Yang oder durch eine Schwäche des Yin. Fülle Hitze, also Fülle des Yang, kommt entweder von außen und dringt in den Körper ein, eventuell kann sie dort auch nach „durchstandener“ Erkrankung als Resthitze im Körper versteckt bleiben, oder Sie entsteht im inneren aus einer Stagnation heraus. Leere Hitze, die zur Unterscheidung von der äußeren auch als inneres Feuer bezeichnet wird, basiert auf einer Leere des Yin.

  • Yin Schwäche die in eine Leere Hitze übergeht

  • Hitze durch Stagnation, (z.B. Nahrungsstagnation die zur Magenhitze führt)

  • Restpathogen

Hitze zeigt sich in Rötung und Überwärmung, der Erkrankte bevorzugt Kälte, hat Fieber, dunkle, stinkende Ausscheidungen, Blutungen, trockenen Mund und großen Durst, ein brennendes Gefühl. Hitze geht mit Unruhe und leere Hitze im besonderen mit Schlafstörungen und Nachtschweiß einher. Mit der Zeit wird Hitze Trockenheit verursachen.
Der Puls ist beschleunigt, die Zunge bekommt einen gelben Belag und bei innerer Hitze einen roten Zungenkörper.

Alle 5 Pathogene und alle 5 Emotionen können sich im Verlauf einer Erkrankung im Inneren in Hitze Wandeln.

3.c) Feuchtigkeit

Physiologisch ist die Milz für die Transformation der aufgenommenen Nahrung zuständig, die Nieren für das Verdampfen der Flüssigkeit, damit die Lunge den Dampf im Körper verteilen kann und die Blase die trüben Anteile ausscheiden kann. Für die Korrekte Verteilung der Flüssigkeiten im Körper braucht es somit gesundes Milz und Nieren Yang.
Da das Nieren Yang alle Organe wärmt wird eine Nieren Yang Schwäche auch eine Milz Yang Schwäche nach sich ziehen.

  • Milz Schwäche, Milz Yang Mangel

  • Nieren Yang Mangel

  • eine Feuchtigkeitsverteilungsstörung wird eine gestörten Lungenfunktion zugeordnet.

Feuchtigkeit befällt gerne die unteren Körperteile und äußert sich in Schweregefühl und dumpfen Schmerzen. Sie erzeugt trübe Ausscheidungen und wenig Durst. Feuchtigkeit hat einen langsamen Krankheitsverlauf, je nach Ort kann es zu Durchfall, Ödemen, „dickem“ Kopf, Ausfluss, verzögerter Miktion und rheumatischen Beschwerden kommen.
Auf der Zunge zeigt sich Feuchtigkeit in einem verdickten Belag, der Puls ist schlüpfrig.

Bleibt Feuchtigkeit im Körper liegen, so wird sie sich (durch Stagnationshitze) erwärmen und zu Schleim wandeln.

3.d) Kälte

Der Yang Prozess erwärmt den Körper. Kommt es zu einem eindringen von Kälte (Yin) von außen, oder ist er nicht mehr in der Lage genug Hitze zu erzeugen um den Körper zu wärmen, so tritt Kälte auf. Kälte geht also immer mit einem (scheinbaren) Yang Mangel einher.

Man kann den echten Yang Mangel auch als eine Entgleisung des Yin Prozesses interpretieren. Denn Kälte ist ein Yin Phänomen und der physiologische Yin Prozess sorgt nur für so viel Ruhe (=Kälte) im Körper wie zum Erhalt der Körpersubstanz nötig ist. Versagt der Yin Prozess dahingehend, dass die Verdichtung nicht so stark ist, dass das extreme Yin umschlägt und Yang hervorbringt, so kommt es zu einem Mangel an physiologischem Yang und somit zu echter Kälte.

Ein Yang Mangel kann sich auch aus einem Yin Mangel ergeben, der lange Zeit besteht und keine Substanz mehr im Körper vorhanden ist, die den Yang Prozess befeuern könnte.

Durch eine Stagnation kann es zu einer lokalen Kälte kommen, bei der nur ein Körperteil oder -bereich Kältesymptome zeigt, hierbei handelt es sich nicht primär um einen Yang Mangel.

  • Yang Mangel

Kälte zieht zusammen und blockiert den freien Fluss. Daraus entstehen starke, stechende, krampfartige Schmerzen.
Symptome: Die Ausscheidungen sind klar, Abneigung gegen Kälte, Frösteln und Unbeweglichkeit.
Je nach Ort der Yang Leere kommt es zu Durchfall (Milz Yang Schwäche), Blutstagnation (Herz), Lendenschmerz und häufige Miktion (Niere).

Der Puls ist verlangsamt und da Kälte stagniert meist gespannt, die Zunge ist nass.

3.e) Trockenheit

Trockenheit zeigt einen Mangel an Körperflüssigkeiten, also eine Yin Schwäche an. Dies kann aufgrund mangelnder Transformation durch die Milz oder durch Hitze im Körper, die die Flüssigkeiten austrocknet verursacht sein. Da das Blut zu den Körperflüssigkeiten gehört ist eine Ausprägung der Trockenheit der Xue Mangel.
Trockenheit kann sich aus Hitze wie zum Beispiel langem, heftigem Fieber oder leere Hitze ergeben. Auch Wind hat eine austrocknende Wirkung.
Da Qi und Blut einander bedingen, kann auch eine Stagnation, im besonderen ein Blutstau zu einem (lokalen) Blutmangel und somit zu (lokaler) Trockenheit führen.

  • Milz Schwäche

  • Yin Mangel (=Hitze)

  • Wind

  • Blutstau, Stagnation

Symptome von Trockenheit sind wenig Urin, trockener Stuhl, Durst, trockene Nase und Mund, rissige Haut, die Blutschwäche hat die Symptome traumgestörter Schlaf und Schlafstörungen.
Die Zunge ist trocken, evtl. blass (sofern Blutschwäche und noch keine Hitze vorliegt), der Puls wird durch den Mangel an Flüssigkeiten leer.

Trockenheit geht mit der Zeit in Hitze und Yin Leere über, wird dann Hitze- und Strukturverlustzeichen zeigen.

3.f) Schleim

Schleim entsteht aus liegengebliebener Feuchtigkeit und gestauten Körpersäften, die sich mit der Zeit erhitzen und somit eingedickt werden. Es heißt, das die Milz die Quelle und die Lunge der Behälter des Schleims ist. Die Pathologie ist somit die der Feuchtigkeit, zu der nun Hitze oder Stagnationshitze hinzukommen, die Feuchtigkeit kann auch durch Wind eingetrocknet werden. Der Schleim wird auch nach Abflauen der Hitze liegen bleiben, so dass er nicht notwendigerweise mit Hitzezeichen einhergeht, sondern auch mit Kälte oder Wind einhergehen kann.

  • Feuchtigkeit und Hitze/Feuer

  • Feuchtigkeit und Stagnationshitze

Schleim führt zu Blockaden und behindert so den Fluss des Qi.

Man unterscheidet sichtbaren, substanziellen Schleim der mit sichtbaren körperlichen Symptomen einhergeht von nicht sichtbarem, nicht substanziellem, der sich in psychischen Störungen und nicht sichtbaren körperlichen Symptomen äußert.
Typische Symptome von sichtbarem Schleim sind Schwellungen, Knoten, Tumore, er sammelt sich gerne in der Lunge und verursacht zähes, dunkles Sputum.
Unsichtbarer Schleim verursacht Taubheit und Lähmungen. Beeinträchtigt er das Herz und den Shen kommt es zu Verwirrung, Manie, Wahnsinn.

Die Zunge zeigt einen verdickten Belag, der Puls ist schlüpfrig.

4. „5er-System“: Welche ist die funktionelle Beziehung zwischen den jeweiligen zwei Funktionskreisen einer Wandlungsphase?

Im „5er-System“ finden wir die paarweise Zuordnung von Meridianen zu den einzelnen Wandlungsphasen.

Holz: Leber und Gallenblase
Feuer: Herz und Dünndarm (und die späteren Konzepte: Dreifacher Erwärmer und Herzbeutel)
Erde: Milz und Magen
Metall: Lungen und Dickdarm
Wasser: Niere und Blase

Jeder Wandlungsphase ist somit je ein Yin (Speicher-) und ein Yang (Durchgangs-) Funktionskreis und Organ zugeordnet, sie verhalten sich zueinander wie Yin zu Yang, erscheinen mehr im Innen oder Außen. In der funktionellen Beschreibung der Wandlungsphase finden sich jedoch fast nur die Attribute des Yin Funktionskreises. Der Yang Partner wird kaum beschrieben und kann als Zuarbeiter zur Arbeit des Yin Funktionskreises gesehen werden. Dabei erfüllt er nicht nur Hilfsaufgaben, sondern ist wesentlich für die Vorarbeit zuständig, die die Grundlage der Arbeit des Yin Partners bietet. Sie sind im Sinne von Innen und Außen miteinander verbunden und unterstützen sich so energetisch.

Die Wandlungsphase Holz steht für das junge Yang das voller Ideen und Tatendrang ist und das geschmeidig fließend im ganzen Körper verteilt werden soll. Hierbei kommt der Gallenblase die Funktion zu die Energie freizulassen, damit die Leber – voll ruhigen Blutes – sie verteilen kann.
Der General Gan, die Leber, macht die Pläne, die die Gallenblase ausführt. Dieses Ausführen ist der Entscheidungsakt der Gallenblase, die bestimmt wann und ob die Leberenergie fließen kann. Dabei bleibt die Aktion der Leber im inneren, nur die Gallenblase kann nach außen sichtbar werden.

Die Wandlungsphase Feuer steht für das volle Yang, die Aktion, das Handeln, das sich verströmen, die Kommunikation. Das Herz gilt dabei als der Kaiser, der die Verbindung zum Göttlichen darstellt und alles Wissen hat. Sein Yang Partner Dünndarm übermittelt ihm die irdischen Informationen und schützt Ihn dadurch, dass er entscheidet, welche Informationen er zu ihm durchlässt. Auch hier bleibt das Herz unsichtbar im inneren, und nur die Kommunikationsfunktion des Dünndarms ist von außen zu sehen.

Die Wandlungsphase Erde steht für die Mitte, das Nährende. Hier ist der Yin Funktionskreis Milz für die Transformation im Inneren zuständig. Der Yang Partner Magen hat die Aufgabe die Nahrung von außen in den Körper aufzunehmen.

Die Wandlungsphase Metall steht für den Yin Prozess des Sammelns und Verdichtens. Der Yin Funktionskreis Lunge stellt die Grenze des Körpers dar, was hier eingelassen wird kann verdichtet und eingebaut werden. Der Yang Partner Dickdarm unterstützt sie dabei durch seine nach außen gerichtete Kraft. Somit kann sich die Lunge auf die abstoßende Kraft des Dickdarms verlassen und sich ihrer Arbeit des rhythmisierenden Verdichtens widmen.

Die Wandlungsphase Wasser steht für die Vollendung, das größte Yin, aus dem nun wieder Bewegung entstehen kann. Der Yin Funktionskreis Niere gilt als der Sitz der Essenz, die Wurzel des Selbst des Menschen. Der Yang Partner Blase hat die Aufgabe in dieser Materie zu entscheiden, welche Anteile bewahrt und welche in Bewegung umgesetzt werden sollen. Er erledigt damit die Vorarbeit, damit sich das Nieren Yang aus dem Yin erheben kann.

So wie die Innen und Außenfunktionskreise im physiologischen Fall zusammenarbeiten können auch Pathogene von einem zum anderen übergehen, z.B. kann das Herz seine Hitze an den Dünndarm abgeben. Dies ergibt sich (auch) aus den physiologischen Verbindungen der gekoppelten Leitbahnen. So durchläuft jede Leitbahn im Inneren sowohl das Ihr zugeordnete Zang oder Fu, wie auch das ihrer gekoppelten Leitbahn, zwischen beiden Leitbahnen gibt es Neben- und Verbindungsleitbahnen4 und im Fluss des Qi durch den Körper folgen sie zeitlich und räumlich aufeinander.

5. „8er-System“: Welches ist die funktionelle Beziehung der vier mal zwei
Wundermeridiane in Bezug auf die Energieformen:
Shen-Jing, Yin-Yang, Ying-Wei, Xue-Qi

Jeder der Energieformen ist ein Wundermeridian zugeordnet. Mit den Ausnahmen, dass Chong Mai sowohl für Qi als auch Xue steht und Dai Mai keiner speziellen Energieform zugeordnet ist. Dai Mai steht vielmehr zwischen all den Polaritäten, die die Energieformen darstellen.

Die Energieformen und entsprechend die Wundermeridiane bauen aufeinander auf, wie ein Baum mit Wurzeln, Stamm, Zweigen und Früchten.

5.a) Shen-Jing

Shen und Jing stehen am Anfang der Menschwerdung, sie sind die Wurzel des Baumes, des Seins. Ihnen sind die beiden Meridiane Du und Ren zugeordnet. Du Mai steht für die Shen Energie im Menschen, mit seinem Schlüsselpunkt „darauf hin“ (IT 3) prägt er die Entfaltung der Ideen. Ren Mai steht für die unstrukturierte Bauenergie Jing, seine Bereitschaft sich prägen zu lassen wird im Schlüsselpunkt „Lücken füllen“ (P 7) deutlich, der einen Menschen mit Joch versinnbildlicht.

5.b) Ying-Wei

Ying und Wei bilden den Stamm des Baumes, ihnen sind die Meridiane Yin Wei und Yang Wei zugeordnet. Sie bilden mit ihren Toren nach innen und außen den Prozess der Verknüpfung (=Wei) mit der Außenwelt. Yin Wei Mai mit dem „Passagetor ins Innere“ (Pc 6) ist dem Ying zugeordnet und Yang Wei Mai mit dem „Passagetor ins Außen“ (T 5) dem Wei. Sie lassen Nahrung in den Menschen eintreten und seine Energien (Schutz und Aktivität) aus ihm heraus.

5.c) Yin-Yang

Yin-Yang bilden die Zweige des Baumes, ihnen sind die Meridiane Yin Qiao und Yang Qiao zugeordnet. Sie bestimmen den Rhythmus des Menschen, Aktivität und Ruhe. Ying Qiao Mai mit seinem Schlüsselpunkt der „Zusammenrufenden Mutter“ (R 6) steht dabei für Yin, den Prozess des Ruhens und Sammelns, Yang Qiao Mai mit dem Schlüsselpunkt „Leitbahnen ausbreiten“ (V 62) steht für Yang, er verteilt die Energie in den Leitbahnen. Sie fördern die Sammlung und den Aufbau der Struktur und lassen daraus wieder Aktivität entstehen.

5.d) Xue-Qi

Qi und Xue sind die Vollendung des Seins, die Frucht des Baumes. Ihnen ist der Chong Mai zugeordnet. Er steht mit seinem Schlüsselpunkt „Gelber Kaiser“ (L 4) für die Gesamtheit des Menschen aus Materie und Aktivität. Er steht zusammen mit Dai Mai am Ende der Menschwerdung. Chong Mai verbindet dabei alles oben und unten des Menschen, ist voller Blut und Lebensenergie. Dai Mai mit seinem Schlüsselpunkt F41 ist der Angelpunkt von allem oben und unten, er dreht das Rad der Wandlung.

6. Beschreiben Sie den Verwandlungsprozess der Materie zu Energie und den Verwandlungsprozess der Energie zu Materie

Das Leben des Menschen kann vollständig durch die Umwandlungsprozesse von Materie in Energie und Energie zu Materie beschrieben werden. Darin drückt sich das Werden und Vergehen des Menschen, seine Bestimmung und seine Interaktion mit der Umwelt aus. Dies gilt natürlich nicht nur für den Menschen, sondern für alles Lebendige.5
Diese Prozesse können in einen Yin Prozess, der die Verwandlung von Energie zu Materie darstellt und einen Yang Prozess, die Verwandlung der Materie zu Energie, aufgeteilt werden. Die Funktionen dieser Prozesse werden je nach benutztem Erklärungsmodell verschiedenen Leitbahnen bzw. ausgezeichneten Punkten zugeordnet.

6.a) Verwandlungsprozess an Hand von Funktionskreisen der Fünf Wandlungsphasen

Der Yin Prozess beginnt mit der Auswahl und der Aufnahme von Nahrung, die im folgenden transformiert und zu körpereigener Materie strukturiert wird.
Im großen Yang des Herzens ist der Dünndarm mit seiner Auswahlfunktion das erste Glied des Aufnahmeprozesses. Er wählt aus, was im folgenden der Magen als Teil der Wandlungsphase Erde aufnimmt. Ohne diese Vorarbeit des Dünndarms würde der Magen wahllos alles in den Körper aufnehmen. Die Funktion der Milz ist dann die Transformation dieser aufgenommenen Nahrung. Sie verarbeitet sie so weit, bis die reinen Anteile (Gu-Qi) an die Lunge, also die Wandlungsphase Metall weitergegeben werden können. Die groben Teile gelangen zum Dickdarm, der sie ausstoßen kann. Die Lunge fügt der transformierten Nahrung ihrerseits umgewandelte Teile der Atemluft (Zhong-Qi) hinzu, wodurch die nährenden Stoffe immer weiter verfeinert werden (Zhen-Qi), auf dass sie von der Niere, also in der Wandlungsphase Wasser in den Körper eingebaut werden können. An allen Phasen der Transformation sind Teile der Nieren Essenz beteiligt.
Interessant hierbei ist, dass dem Magen (Yang) die Funktion des Sammelns (Yin) zukommt, der Milz (Yin) die Funktion des Zerlegens (Yang) der Nahrung. Dies spiegelt die Sonderstellung der Erde in der Mitte der fünf Wandlungsphasen wieder, die keine ausgeprägte Polarität innehat.6

Der Yang Prozess beginnt im äußersten Yin der Wandlungsphase Wasser in dem die Blase auswählt, welche Anteile der struktiven Materie aufgelöst werden können. Das junge Yang der Leber, also die Wandlungsphase Holz kann sich darauf hin erheben, und die Gallenblase gibt die Energie frei, auf dass sie nach außen treten kann. Bis sie schließlich in der Wandlungsphase Feuer, im Herzen, ganz im Außen und in Bewegung ist, befreit von den körperlichen Barrieren.

6.b) Verwandlungsprozess an Hand von Wundermeridiannamen

Im System der acht Wundermeridiane werden die Transformationsprozesse nicht in verschiedene Stadien zerlegt, wie dies im „5er-System“ der Fall ist. Vielmehr beschreibt ein Wundermeridian eine Energieform in ihrem ganzen Verlauf des Kommens und Gehens.

Zeichnung 1: Wandlungsprozesse an Hand der Wundermeridiane
Der Aufnahmeprozess läuft vom Yin Wei Mai zum Yin Qiao Mai.7 Er beginnt mit dem „Passtor ins Innere“ (PC6), setzt sich mit der „Transformation von Nahrung“ (Rs23) und „Atmung“ (Rs22) fort, geht dann im Yin Qiao Mai über die „Regulation des aktiv-passiv Rhythmus“ (V 1), dem „Sammeln der Nahrung“ (R6) zur „Annahme der Nahrung“ (R8), wo er vollendet ist.8

Der Ausgabeprozess läuft vom Yang Qiao Mai9 zum Yang Wei Mai. Er beginnt im Punkt „den Leitbahnen befehlen“ (Bl62), geht über die „Kontrolle von Sprache“ (Rg 15) und „Gedanken“ (Rg 16) zum Yang Wei Mai und findet dort seine Vollendung im „Passtor nach Außen“ (3E 5)

Die Vollendung der Materie, die individuell strukturierte, Energie findet sich im Chong Mai wieder, er könnte somit eigentlich zwischen Yin Qiao Mai und Yang Qiao Mai angeordnet werden. Jedoch umfasst er das ganze System der Prozesse und ist somit nicht nur Vollendung der Materie, sondern ebenso der Aktivität des handelnden Menschen. Er umfasst Ren Mai und Du Mai, die Ihrerseits wieder als übergeordnet zum Aufnahme- und Ausgabeprozess gesehen werden.

Dai Mai bildet den Gürtel um alle Prozesse und ist der Angelpunkt um den sie sich alle bewegen müssen und der sie in Bewegung halten soll.

Die Übergänge der Qiao Mei zu den Wei Mai sind fließend. Die beiden Meridiane könnten auch, wie im Diagramm 1 durch die dünnen Pfeile angedeutet, parallel nebeneinander verstanden werden. Somit würde der Yin Wei Mai den vollständigen Prozess der Aufnahme des Fremden beschreiben, im Innen begleitet vom Yin Qiao Mai. Entsprechend der Yang Wei Mai den vollständigen Ausgabeprozess im Innen begleitet vom Ying Qiao Mai. Es ergibt sich somit quasi eine dreischichtige Zwiebelschale, wobei die Qiao Mai, da sie ja jeweils nur für ein Geschlecht bestehen, auch dünner als die Wei Mai gezeichnet werden könnten.

Die Namen der Wundermeridiane geben diesen Prozess wieder: Yin Wei Mai ist das Verbindungsgefäß (Wei=Verbindung) ins Yin, mit dem der Körper die Außenwelt in sich aufnehmen kann, B. Kirschbaum beschreibt ihn auch als Bewahrer des Yin.
Yin Qiao Mai wird allgemein als Yin Fersengefäß übersetzt, die Ferse steht für Agilität und versinnbildlicht so die Verfügbarkeit und Zirkulation des Yin im Inneren.
Chong Mai, die breite Troßstraße beschreibt die vorhandene Struktur (Straße und Wagen) die in Aktion ist (Verkehr auf der Straße) und somit die Vollendung des Qi-Xue.
Yang Qiao Mai steht für die Agilität sprich die Verfügbarkeit und Beweglichkeit des Yang im Inneren. Die Ferse kann auch als Basis gesehen werden, und somit kann der Name als Bild für das Aufsteigen des Yang aus der Ruhe dienen.
Yang Wei Mai ist die Verknüpfung des Yangs aus dem Körper in die Umwelt.
Dai Mai, das Gürtelgefäß ist wie der Gürtel in der Mitte zwischen oben und unten angesetzt, hier muss alle Energie durchlaufen, es sorgt für den freien Lauf und den permanenten Zyklus der Aufnahme- und Abgabeprozesse.

7. „6er-System“ des Öffnenden, Angelpunktartigen, Schließenden: Schildern Sie die funktionelle Beziehung zwischen den jeweils zwei Funktionskreisen des
Taiyang, Shaoyang, Yangming, Taiyin, Shaoyin, Jueyin

Die jeweils zwei Funktionskreise im „6er-System“ haben vom Sinn gleichartige und von der Wirkrichtung entgegengesetzte Funktion und ergänzen sich somit. Sie gehören beide jeweils einer Energieschicht an und beschreiben immer einen Hand und einen Fuß Meridian.

7.a) Taiyang

Im Taiyang geht es um die Unterscheidung von innen und außen, ich – du, um die Trennung von Wai, dem Unbekannten, Gefährlichen und Nei, dem freundlich Gesinnten das der Mensch in sich hineinlassen darf. Die Meridiane Dünndarm und Blase sind diesem System zugeordnet. Beide entscheiden, der Dünndarm was in den Körper aufgenommen wird und die Blase welche Körpersubstanzen abgegeben werden, und beiden ist zu eigen, dass sie selbst keine Kraft für Sog oder Stoß haben, die sie jeweils aus dem Yangming bekommen müssen.

7.b) Shaoyang

Im Shaoyang ist der Mensch vollständig und es geht um die Kraftentfaltung, das Dasein des Menschen in seiner Umwelt. Die Gallenblase ist dabei die Grundlage, sie führt die Entscheidung aus, wann und wieviel Materie des Körpers zu Bewegungsenergie ausgebaut werden. Der dreifache Erwärmer stellt die Ordnung zur Verfügung, dass diese Energie wirkungsvoll und dem Körper angemessen sich entfalten kann. Durch ihn manifestiert sich der Mensch in seiner Umwelt.

7.c) Yangming

Im Yangming ist die Kraft des Aufnehmens und Abstoßens. Er steht in direkter Verbindung zu Taiyang. Hier dreht sich das ewige Rad des Nehmens und Gebens, der Magen übt den Sog in den Körper hinein aus, der Dickdarm den Stoß von ihm weg, beide ohne Auswahl, die im Taiyang jeweils für sie vollzogen wird.

7.d) Taiyin

Im Taiyin findet Transformation statt. Die Milz zerlegt die aufgenommene Nahrung und hat dabei eine expansive Wirkrichtung, die Lunge verdichtet die aufgenommene Atemluft und leitet sie zusammen mit der transformierten Nahrung nach unten. Ihre Wirkrichtung ist zusammenziehend.

7.e) Shaoyin

Das Shaoyin stellt den Kern, die Wurzel des Menschen dar. Hier stehen Herz und Niere in direkter Verbindung und nähren sich gegenseitig. Das Nieren Yang wärmt das Herz und das Herz Yin nährt die Niere. Alle anderen Schichten arbeiten zur Aufrechterhaltung des Shaoyin und werden auf oberster Ebene von ihm angeleitet.

7.f) Jueyin

Im Jueyin hat der Körper Materie und Form. Das Pericard, das den Beutel um den ganzen Menschen darstellt ist voller Xue, aus dem heraus sich das junge Yang der Leber erheben kann. Das Pericard hält die individualspezifische Struktur des Menschen zusammen, die Leber Energie bewegt sich darin und wächst daraus hervor.

8. Öffnendes, Angelpunktartiges, Schließendes: Wandlungsprozesse

Im „6er-System“ beschreibt jede der Schichten den vollständigen Menschen, nur unter verschiedenen Ausprägungen und Gesichtspunkten. So beschreibt zum Beispiel das Taiyang alle Auswahl- und Abgrenzungsprozesse des Menschen, sei es bei der Nahrungsaufnahme, der Energiebereitstellung, den Aktivitäten, etc.
Im folgenden wird jeweils ein Teil dieses vollständigen Bildes herausgegriffen um die Prozesse in ihrer Abfolge zu beschreiben.

Die Prozesse der Umwandlung von Energie zu Materie und wieder zu Aktivität folgen dem schon fürs „5er-System“ aufgezeigten Ablauf. Hier im „6er-System“ sind jedoch die Yang Kräfte der einzelnen Funktionskreise viel mehr im Vordergrund.

Generell gelten die drei Yang Schichten als außen, die drei Yin Schichten als innen, also verläuft der Aufnahmeprozess von den Yang zu den Yin Schichten, der Ausgabeprozess entsprechend umgekehrt. Das Shaoyin steht dabei als „höchste Instanz“ im Hintergrund, steuert die Prozesse auf grundlegenster Ebene und wird von ihnen versorgt.

8.a) Wie wird die fremdspezifische Außenwelt zur individualspezifischen struktiven Innenwelt des Menschen?

Der Dünndarm entscheidet, was (Nahrung, Stoffe, Sinneswahrnehmungen) in den Körper aufgenommen werden soll, damit unterstützt er indirekt die Niere, die in diesem Punkt auf ihn, wie auf alle folgenden Ebenen des Aufnahmeprozesses angewiesen ist. Der Magen liefert den Sog für die Aufnahme zieht alles, was der Dünndarm zulässt in den Körper hinein und transportiert es weiter zur Milz. Hier findet die Zerlegung und Verdauung des Aufgenommenen statt. Die Lunge verbindet dies nun mit der Atemluft und verdichtet es und senkt es ab, dass es im Pericard als Xue den ganzen Menschen ausfüllen kann.

Der Aufnahmeprozess läuft also vom (Hand) Taiyang über das (Fuß) Yangming und (Hand und Fuß) Taiyin zum (Hand) Jueyin.

8.b) Wie wird die individualspezifische struktive Energie des Menschen zu individualspezifischer aktiver Energie?

Im Jueyin erhebt sich das Leber Yang aus dem Xue des Pericards. Es ist dabei die Gallenblase, die die Leberenergie freilässt, sie wiederum ist von der Blase beauftragt, die entscheidet welche Materie in aktive Energie umgesetzt werden soll.

Es findet also Aktivität im (Fuß) Jueyin, (Fuß) Shaoyang und (Fuß)Taiyang statt.

8.c) Wie verlagert sich die individualspezifische Innenwelt zurück in die fremdspezifische Außenwelt?

Ist das Leber Yang wie unter 8.b beschrieben freigesetzt kann es den Körper und seine dreigliedrige Ordnung füllen. Der Stoß des Dickdarms liefert die Kraft um über den Körper hinaus in die Umwelt zu wirken. Dieser ganze Abgabeprozess unterstützt das Herz, das ja nach außen kommunizieren will.

Hier geht die Aktivität über (Fuß) Jueyin, (Hand) Yangming und (Hand) Shaoyang

9. Schildern Sie die Beziehung der vier Meere untereinander

Die vier Meere umfassen das Meer des Marks, der Ernährung, des Xue und des Qi. Diese Aufzählung zeigt schon, dass auch dieses System wieder den ganzen Menschen abbildet, also die Idee, die Ernährung und das Wirken.

Grundlage ist das Meer des Marks, es steht für die Shen-Jing Interaktion mit seinen Punkten Rg 20 für das Absolute, das göttliche Prinzip und Rg 16 für das Entstehen der Dualität, der Grundlage des materiellen Lebens.
Dieses Meer ist Grundlage und Antrieb für alle Prozesse und wird zugleich von ihnen genährt und erhalten.

Im Meer der Ernährung geht es um den Aufnahmeprozess. Es wird beschrieben durch die Punkte S 30, wo noch die formlose Leere vorliegt und S 36 wo die dreigliedrige Form des Menschen gefüllt wird. Es geht hier um die Formwerdung, die Wandlung vom leeren Nichts zum Etwas, hin zur individuell spezifischen Struktur des Menschen.

Das Meer des Xue beschreibt die Vollendung der menschlichen Körpersubstanz. Die obere Leere (S 37) wird mit Qi gefüllt, die untere Leere (S 39) mit Xue und das Weberschiffchen (V 11) webt die beiden mit der individuellen Struktur des Menschen zusammen. Hier findet der Prägungsprozess von Shen-Jing seine Vollendung.

Das Meer des Qi ist letztlich das Wirken des Menschen in seiner Umwelt. Hier findet die Auflösung von Xue in Qi statt. Dafür stehen die Punkte S 9, der rhythmisierend die Aktionen regelt, Rg 14 wo sich alles Yang sammelt, auf das es in Rg 15 zur Darstellung gebracht werden kann.

10. Schildern Sie das funktionelle menschliche Gefüge an Hand
der Funktionen der acht Hui.

Die acht Hui sind Entsprechungspunkte es Körpers für die verschiedenen Energieformen.

F 39 als Einflusspunkt des Marks steht für die Shen-Jing Ebene, er repräsentiert die Du Mai – Ren Mai Dualität, die Grundlage allen Seins.

Die Einflusspunkte der Zang (H 13) und Fu (Rs 12) beschreiben die Yin-Yang Prozesse, sie bestimmen das Sammeln und Ausgeben und so die Ernährung der Organe und den Fluss der Energien in und zwischen ihnen.

Qi und Xue werden durch die Einflusspunkte für die struktive Energie (V 17), die aktive Energie (Rs17) und die Knochen (V 11) als der festesten Substanz des Körpers repräsentiert. Die Knochen stehen für die Struktur, die bewegt werden kann, da sie fest genug ist, dass die Energie an sie angreifen kann, sie sind also die notwendige Verbindung zwischen Qi und Xue, was auch im Namen Weberschiffchen zum Ausdruck kommt.

Die Aktivität des Menschen wird durch die Hui der Leitbahnen (P 9) und der Muskeln und Sehnen (F 34) repräsentiert. Sie stellen die Bewegung im Mikrokosmos Mensch, seinen Leitbahnen und seine Bewegung im Makrokosmos, der Umwelt dar.

11. Welche Arten von Punktkombinationen verwendet man wann?

Die Auswahl der Punkte richtet sich natürlich in erster Linie immer nach den diagnostizierten Störungen, auf die mit den im folgenden beschriebenen Kombinationen eingewirkt werden kann. Darüber hinaus spielen aber auch die Vermeidung von zu vielen Nadeln und die „schöne“ Verteilung der Akupunkturstellen eine Rolle.

Mu und Shu Punkte
Mu und Shu Punkte können entweder einzeln, oder auch zusammen, bzw. zeitnah zusammen benutzt werden.
Mu bedeutet Zusammenrufen. So wie Helfer bei einem Alarm gerufen werden, oder wie in der Nacht mit einer Fackel nach verlorenen Ausschau gehalten wird. Sie liegen auf der Körpervorderseite und werden zur Stärkung und zum Sammeln von Energie in einem Funktionskreis benutzt. Diese gesammelte Energie kann dann mit den Shu Punkten bewegt werden.
Shu bedeutet Transport. Sie fördern die Bewegung der Energien eines Funktionskreises, bringen in Fluss.
Zusammen werden sie benutzt um zuerst Energie zu sammeln, die dann bewegt werden kann.

Wu Shu Punkte und die Mutter-Kind Regel
Die Antiken Punkte sind ausgezeichnete Punkte an den distalen Enden der Meridiane. Sie können einerseits nach ihrer Qualifikation im Lauf des Meridians, also Brunnen, Quelle, Bach, Fluss, Meer benutzt werden. Oder nach ihrer Wandlungsphasenqualifikation. Dabei gilt die Regel bei Leere die Mutter, also den Punkt mit der im Zyklus vorausgehenden Wandlungsphase zu tonisieren, bei Fülle das Kind, also den im Zyklus auffolgenden Punkt zu sedieren. Dies kann sowohl auf einer Leitbahn geschehen, Z.B. bei Leere des Lungenfunktionskreises, Lu 9, den vorangehenden Erdpunkt tonisieren, oder bei Fülle Lu 5, den auffolgenden Wasserpunkt sedieren. Oder auch über Leitbahnen hinweg, z.B. bei Leere des Lungenfunktionskreises Ma 36 und Mi 3, die Erdpunkte der vorangehenden Erdleitbahnen tonisieren bzw. bei Fülle Ni 10 und Bl 66 die Wasserpunkte der auffolgenden Wasserleitbahnen sedieren.
Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die punktspezifische Wirkung (nach Punktname, Indikationen etc.) oftmals stärker ist, als die durch diese Regeln beabsichtigte.

Schlüsselpunkte von Wundermeridianen
Die Schlüsselpunkte der außerordentlichen Gefäße werden genutzt um die physiologische Funktion des Gefäßes neu zu initiieren. Sie können vielfältig kombiniert werden. In China werden sie üblicherweise zusammen mit Wu-Shu Punkten benutzt, sie können mit weiteren Punkten desselben Gefäßes und zusätzlichen Punkten auf anderen Meridianen aus physiologischen Überlegungen kombiniert werden. Sie bieten sich auch dazu an mit den Schlüsselpunkten anderer Wundermeridiane kombiniert zu werden, um so den ganzen Prozess der Aufnahme und Abgabe anzustoßen und die einzelnen Teile miteinander zu verbinden.
In der europäischen Literatur ist es gebräuchlich den Schlüsselpunkt eines Wundermeridians mit dem des gepaarten zusammen zu benutzen, was einer Sonderform der allgemeinen Kombination von Schlüsselpunkten entspricht.

Überkreuznadelung
Oft werden Nadeln nicht in beiden Körperhälften symmetrisch gesetzt, sondern die Punkte überkreuz oben und unten kombiniert, typischerweise wird dies bei den Wundermeridianen (nach der europäischen Methode s.o.) und zur Reduktion der Anzahl der Nadeln gemacht.

Klassische Kombinationen
Es gibt eine Reihe von Kombinationen, die oft und gerne benutzt werden, da sie sehr wirksam sind. Sie eignen sich auch zum überkreuzen. Zum Beispiel: Die vier Tore H3 + IT 4, viel oder wenig Schweiß IT4 + R 7, es gibt viele klassische Sammlungen hierzu10.

Oben und Unten Verteilung, Nah- und Fernpunkte, Rechts und Links,
Es gibt verschiedene Theorien, Beschwerden auf der gleichen, oder öfter praktiziert auf der gegenüberliegenden Körperseite zu behandeln. Beschwerden oben am Körper lassen sich mit Punkten unten behandeln, solche am Rücken mit denen auf dem Bauch. Es lassen sich Nah- mit Fernpunkten kombinieren, wobei die Nahpunkte, ähnlich den unten beschriebenen Ashi Punkten eher für akute Zustände und Fernpunkte eher für chronische benutzt werden.

Yuan und Luo Punkte
Yuan Punkte an denen das Ursprungs Qi erreicht werden kann können mit Luo Punkten verbunden werden. Das Luo Gefäß zieht zum einen zur innen-außen gekoppelten Leitbahn und so kann ein Meridian der sich in Leere befindet durch das Tonisieren seines Yuan Punktes und das Sedieren des Luo Punktes der gekoppelten Leitbahn gestärkt werden. Zum anderen verläuft es quasi mit der Leitbahn und verbindet in ihr die Ying und Wei Anteile, so kann durch den sogenannten großen Stich ein Harmonisierung der Energie von einer Körperseite auf die andere erzielt werden, indem bei einer Leitbahn der Luo Punkt der sich in Fülle befindlichen Seite sediert wird und der Yuan Punkt der anderen Seite tonisiert wird.
Yuan Punkte können für sich alleine auch dazu benutzt werden den Funktionskreis „an seine eigentliche Aufgabe zu erinnern“.

Zeichnung 2: Gegenseitige Unterstützung im 6er-System
Physiologische Kombinationen
Je nach diagnostiziertem Symptomenkomplex werden individuelle Kombinationen gefunden werden müssen. Zum Beispiel im System der 5 Wandlungsphasen das Kombinieren von Punkten auf Holz- mit Metallleitbahnen bzw. Feuer- mit Wasserleitbahnen.
Oder im 6 Schichten System Kombinationen von Punkten, die die gegenseitige Unterstützung der Funktionen darstellen. Hierbei gibt es Unterstützungsmöglichkeiten zum einen zwischen den benachbarten Yin und Yang Schichten und zum anderen funktionelle Bedingungen, wie z.B. die Magen-Milz- oder Dickdarm-Lungenkopplung. Siehe auch nebenstehende Zeichnung 2

12. Woran erkennen Sie „spontane“ Akupunktur-Einwirkstellen?
Wie wird die Differentialdiagnose an ihnen ausgeführt und welche Maßnahmen bzw. Stimulationsarten ergeben sich daraus?

„Spontane“ Akupunkturpunkte können entweder auf bekannten Akupunkturpunkten liegen, sie können jedoch auch andere Punkte sein, die sich besonders zeigen. Sind die Punkte schmerzhaft, so werden sie Ashi-Punkte genannt, sie können sich auch durch Haut-, Temperatur-, Sensibilitäts- und Festigkeitsveränderungen von ihrer Umgebung abheben.

Die Differentialdiagnose zielt in erster Linie darauf ab Fülle und Leere Zustände zu erkennen.
Leere zeigt sich, wenn der Schmerz bei Druck nachlässt, die Temperatur erniedrigt ist, sich eine Delle im Gewebe zeigt.
Fülle liegt vor wenn der Patient keine Berührung an diesem Punkt zulässt, Hitze oder Rötung sich zeigt, das Gewebe besonders prall ist.

Entsprechend der Differentialdiagnose werden Füllezustände sediert und Leerezustände tonisiert. Die kann einerseits direkt am „spontanen“ Punkt sein, und/oder an Punkten auf Meridianen im Nahbereich, oder im Leitbahnverlauf des Meridians in dessen Hautbereich die Veränderung liegt.

13. In welcher Funktion sehen Sie sich, während Sie dieses System praktisch ausüben?

Der Hauptaspekt im Ausüben der TCM ist für mich ein genaues Erfassen des Patienten. Nur wenn ich sein Muster begreife und nachvollziehen kann wird er sich erkannt fühlen. Dies ist die Grundlage für eine Veränderung, die mit ihm geschehen kann. Aus diesem Erkennen ergibt sich dann die für Therapeut und Patient notwendige (Be-)Handlungsform. Dabei ist das Setzen von Nadeln ein Aufzeigen von Möglichkeiten das dem Patienten in körperlicher, nonverbaler Art und Weise helfen kann auf seinem Weg (der Heilung) voranzuschreiten.

In akuten Fällen wird sicherlich der Effekt der Akupunktur der wesentliche Teil der Behandlung sein, bei chronischen Mustern trägt das (Anamnese-) Gespräch und die Art des Umgangs mit dem Patienten wesentlich zu einer Veränderung bei.

Behandler und Behandelter bilden ein System, beide haben ihre Muster, der Behandler hat zwar die Absicht Abstand von den seinen zu nehmen, um den Patienten vollständig erfassen zu können, doch spiegeln sich seine Affinitäten schon in der Auswahl der Patienten, die zu ihm kommen und ganz sicher in der Behandlungsstrategie und Punktauswahl wieder.



Fußnoten:

1T. Kaptchuk: D.Gr. Buch der Chinesischen Medizin, S.57

2Die Symptome von Qi und Xue Schwäche überschneiden sich stark mit den Ausführungen zur Yang und Yin Schwäche unter 2.c, wobei hier, bei Qi und Xue der körperliche Aspekt im Vordergrund steht, also der Aspekt der gemeinhin als Yang oder Yin Schwäche beschrieben wird mit den Symptomen der Kälte, bzw. Leere Hitze. Während unter 2.c die Prozesse hierzu behandelt werden und es mehr um die psychischen und rhythmisierenden Symptome geht. Diese Aufteilung entspricht, wie schon in der Einleitung beschrieben, nicht der in der Literatur üblichen, ergab sich für mich jedoch notwendigerweise aus der Fragestellung.

3 Xue wird hier nicht in seiner direkten Übersetzung als Blut verstanden, sondern in seiner umfassenderen Bedeutung wie sie im Begriffspaar Qi-Xue zum Ausdruck kommt.

4Die Luo (=Verbindungs-) Gefäße können z.B. auch zum Energieausgleich zwischen den gekoppelten Leitbahnen mittels der Luo und Yuan Punkte benutzt werden.

5Diese funktionale Beschreibung des Menschen in seiner Vollkommenheit von geistiger und körperlicher Funktion – von der Bestimmung des Menschen über sein körperliches Dasein und „Funktionieren“ bis zur Interaktion mit der Umwelt – ist eine der größten Stärken, die das Menschenbild der TCM für mich bietet.

6Porkert beschreibt dies auch mit einem Verweis darauf, dass die Milz im SuWen auch als Durchgangsorgan beschrieben wird. M. Porkert, Die chinesische Medizin, S.112 f

7 Er wird nur bei Frauen als eigenständiges Gefäß gesehen und bei Männern als Nebengefäß des Nierenmeridians.

8J. Wittmann nimmt die Bettlerschale (S12), die gefüllt werden soll in den Aufnahmeprozess auf. Klassisch wird S12 zwar nicht als Punkt des Yin Qiao Mai beschrieben, doch verläuft er durch die Supraklavikulargrube, die Lokalisation von S12, was diese Erweiterung nahe legt. Die gleiche Überlegung kann für S30 angestellt werden.

9Er wird nur bei Männern als eigenständiges Gefäß angesehen, bei Frauen als Nebengefäß des Blasenmeridians.

10P. Deadman u.a., Das Große Handbuch der Akupunktur, beschreibt eine Vielzahl solcher Kombinationen



© 2008 Torsten Ziegler
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