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2. Fraktale Dimension
Die fraktale Dimension ist charakteristisch
für das geometrische Verhalten des Attraktors
eines chaotischen Systems. Sie bezieht sich auf die Anordnung der
Punkte des Attraktors im dE-dimensionalen Raum. Liegt eine
Punktwolke in
vor, wie im Fall eines Attraktors im
Phasenraum, so läßt sich zu jedem Punkt auf dem Attraktor die Frage
stellen wieviele benachbarte Punkte in einem bestimmten Umkreis zu
finden sind.
Als Beispiel soll eine regelmäßige geometrische Figur, zum Beispiel
eine Kugel im dreidimensionalen Raum, betrachtet werden. Da die
Oberfläche der Kugel dicht mit Punkten besetzt ist wird sich für
alle Punkte auf der Kugel folgendes zeigen (1):
Die Anzahl der Punkte N(X,r) die in einem Volumen um den Punkt Xmit dem Radius r zu finden ist, im Beispiel ist dies ein
Kugelabschnitt, folgt einer Funktion:
| (28) |
Für das Beispiel der regelmäßigen Figur ergibt sich für alle Punkte X ein konstantes d(X)=D das die Geometrie und somit die Dimensionalität der Figur beschreibt. Diese Dimension D ist für gewöhnliche geometrische Mengen eine ganze Zahl.
Der betrachtete Bereich von r muß dabei kleiner den Abmessungen der betrachteten geometrischen Figur sein, da die Anzahl der Punkte im betrachteten Volumen durch die Gesamtzahl der Punkte in der Figur beschränkt ist.
Betrachtet man nun eine fraktale Menge im
,
zum Beispiel den
Attraktor eines chaotischen Systems, so wird sich zeigen,
daß die Anzahl der Punkte N(X,r) die im Umkreis mit Radius r um
den Punkt X liegen je nach betrachtetem Punkt schwankt. Es
existiert also keine konstante Dimensionalität, sondern d(X) ist
abhängig vom Ort X.
Die Dimension d(X) wird deshalb als punktweise Dimension oder auch als
lokale Dimension des Punktes x bezeichnet.
Ein invariantes Maß der Dimension entsteht durch Gewichtung der
lokalen Dimension mit dem natürlichen Maß p(X) aus Gleichung
2.26 und der Mittelung über den Attraktor.
Der Radius r unterliegt für fraktale Mengen und Attraktoren nicht
nur einer oberen Grenze, die von der geometrischen Größe des
Attraktors abhängt. Da die Punkte in einer fraktalen Menge nicht dicht
liegen muß eine untere Grenze des Radius r nicht unterschritten
werden da die Anzahl der Punkte innerhalb des betrachteten Volumens
deutlich größer Null sein soll, um eine statistische Interpretation zu
gewährleisten. In Abhängigkeit von der Größe des Attraktors RAbetrachtet man somit r im Bereich
und redet dann von einem ,,kleinen``r.
Sei NA die Anzahl der Punkte im Attraktor und bezeichne X(k) mit
die Punkte auf dem Attraktor, so ergibt sich die Anzahl
der Punkte, in einem Volumen des Radius r um den Punkt X0 zu (1):
wobei
Die Mittelung über alle Punkte X(n),
des Attraktors
führt zu:
![]() |
(32) |
Die Größe C(r) in Gleichung 2.30 wird als die räumliche Korrelationsfunktion oder auch als das (räumliche) Korrelationsintegral bezeichnet (20).
Da das natürliche Maß p(x) über den Attraktor nicht konstant ist mag
es verschiedene Einsichten über das Verhalten der Dimensionalität zu
Tage fördern, verschiedene Momente
p(x,r)q-1 zu betrachten.
Darum wird die allgemeine räumliche Korrelationsfunktion in
Anlehnung an die Arbeit von Rényi8 im
Bereich der Statistik als
definiert.
Für den Fall, daß die fraktale Dimension
existiert ist sie für kleine r, im Sinne von Gleichung 2.29,
definiert als
und berechnet sich entsprechend zu (1):
Die in Punkto q verschiedenen Dq bezeichnen dabei die Rényi Dimensionen der Ordnung q.
Charakteristisch für die Dimensionen Dq eines seltsamen Attraktors, d.h. des Attraktors eines chaotischen Systems, ist eine gebrochene oder fraktale Dimension Dq.
Zur Charakterisierung von seltsamen Attraktoren wurde das Korrelationsintegral zuerst von Grassberger und Procaccia für den Fall q=2 eingeführt (20).
Die Bedingung, daß die fraktale Dimension nach Gleichung 2.35
nur für den Grenzübergang
definiert ist liegt darin
begründet, daß dadurch die Dimension von der Wahl des
Koordinatensystems unabhängig wird. Dadurch ist sie gegenüber
Transformationen des Phasenraumes invariant. Betrachtet man allerdings
das Verhalten eines Attraktors in einem fest gewählten
Koordinatensystem, so kann es durchaus interessant sein nicht nur den
Grenzübergang für
zu vollziehen, sondern auch die gesamte
Kurve von C(q,r) zu betrachten. Die Dimension Dq kann dann
nicht nur aus dem Grenzübergang für
berechnet werden,
sondern aus einem längeren Kurvenstück. Geradenstücke, die sich aus
dem Diagramm ergeben, in dem
gegen
aufgetragen wird, bestimmen mit ihrer Steigung die Dimension, wobei es
auf die absolute Normierung von C(q,r) nicht mehr ankommt.
Die Rényi Dimensionen Dq niederer Ordnung q werden entsprechend ihrer geometrischen Bedeutung mit bestimmten Namen bezeichnet (19; 22). So spricht man zum Beispiel von D0 als der Box Dimension oder auch der Kapazität. Sie stellt die klare geometrische Motivation dar die Anzahl N(r) der Hyperwürfel einer Kantenlänge r zu ermitteln, die notwendig sind um alle Punkte des Attraktors im Phasenraum zu überdecken. (Genauer wird in Abschnitt 6.2.2 hierauf eingegangen.)
Die vereinfachte Formel dieser Dimension ist
![]() |
(36) |
Für q=1 ergibt sich die Informations Dimension. Mit q=2 erhält man schließlich die schon beschriebene Korrelations Dimension D2, höhere Ordnungen qder Dimensionen werden nur noch gemäß ihrer Ordnung beschrieben.
Footnotes
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0 \\
0 \enspace \textrm{wenn } u < 0 \end{array} \right.
\end{displaymath}">
![\begin{displaymath} C(q,r)=\frac{1}{N_{A}}\sum_{n=1}^{N_{A}}\left[\frac{1}{N_{A}}\sum_{k=1}^{N_{A}} \theta(r-\vert X(k)-X(n)\vert)\right]^{q-1} \end{displaymath}](diplomarbeit/diplo/img121.gif)
![\begin{displaymath} D_{q}=\lim_{r \to 0} \frac{\log[C(q,r)]}{(q-1)\log[r]} \end{displaymath}](diplomarbeit/diplo/img123.gif)
