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3. Phasenraumrekonstruktion
In der experimentellen Situation, im besonderen im Fall der Untersuchung von biologischen Systemen, ist es meist nicht möglich die unabhängigen Variablen zu messen, die den konventionellen Phasenraum aufspannen.
Wird ein einzelnes Signal aus einem nichtlinearen System aufgenommen,
so kann erwartet werden, daß sich in diesem Signal etliche Variablen
des Systems niederschlagen. In einer skalar aufgenommenen Zeitserie eines
Meßsignals wird somit eine Projektion der ursprünglichen
Systemdynamik, die in einem Vektorraum höherer Ordnung stattfinden mag
auf das eindimensionale Meßsignal sichtbar.
Die skalare Zeitserie die jedem Zustand X im Phasenraum einen
meßbaren reellen Wert p(X) zuordnet, wird auch Observable genannt.
| X | p(X) | (13) |
Nun ist es möglich aus diesem eindimensionalen Signal mittels einer sogenannten Phasenraumrekonstruktion wieder ein höher dimensionales Signal zu machen. Dazu werden quasi unabhängige Variablen dadurch erzeugt, daß die eine vorhandene Observable zu verschiedenen Zeitpunkten betrachtet wird. Daß dies möglich ist bewies F. Takens et al. im Einbettungstheorem (11; 26):
Ist
eine Mannigfaltigkeit der Dimension m, dann ist die
Menge
wobei ts die diskrete Abtastzeit und
Diese topologische Beziehung zwischen dem ,,originalen``Phasenraum und dem zugehörigen rekonstruierten Phasenraum wird auch durch das Projektionstheorem von Mañé bestätigt (11).
Als Beispiel sei die skalare Zeitserie
,
mit
und
![]() |
(15) |
mit ta = s Ts und
Unter der Voraussetzung, daß unendlich viele Datenpunkte zur Verfügung
stehen kann die Zeitverzögerung
weitgehend beliebig gewählt werden.
Da im praktischen Fall jedoch nur eine beschränkte Anzahl von Datenpunkten
zur Verfügung steht und diese oft noch zusätzlich mit Rauschen
überlagert sind ist es nötig die Zeitverzögerung geschickt zu
wählen. Wird
gewählt, d.h den Achsen des Phasenraumes werden
die identischen Werte zugewiesen, so ergibt sich als
Attraktor im Phasenraum eine Gerade, die Hyperdiagonale des
Phasenraumes. Entsprechend wirkt sich eine zu kleine Wahl von
aus. Wählt man ein
,
das im Vergleich zur Orbitzeit zu kurz
ist, so werden x(t) und
quasi linear abhängig.
Die gesamte Dynamik spielt sich nur auf der Hyperdiagonalen des
rekonstruierten Phasenraumes ab und weite Teile des Raumes bleiben
ungenutzt, was nicht der originalen Phasenraumdarstellung entspricht.
Dies wird in der folgenden Abbildung 2.1 verdeutlicht. Zu sehen
ist dort der Lorenz Attraktor abgetastet mit einer Zeitkonstante von
ts=0.0005s und eine zweidimensionale Rekonstruktion der mit einer
zu kleinen Zeitverschiebung von
und einer korrekten
Zeitverschiebung von
.
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Wählt man die Verzögerungszeit
zu groß, so erhält man ein anderes
Bild. Jetzt wird zwar der rekonstruierte Phasenraum weitgehend ausgenutzt,
der Attraktor wird jedoch gefaltet. Die Dynamik des Systems im ursprünglichen
Phasenraum bewegt sich nun schneller, als dies im rekonstruierten Raum
nachvollzogen werden kann, was bei folgenden Berechnungen zu Fehlern führen
wird.
Diese Faltung kann am Beispiel des Henon Attraktors (siehe Abbildung 2.2) deutlich gesehen werden. Die korrekte zweidimensionale Rekonstruktion mit einem Iterationsschritt5 als Zeitverschiebung zeigt die gedrehte Darstellung (topologische Abbildung) des ursprünglichen Attraktors. Werden jedoch zwei Iterationsschritte als Zeitverzögerung benutzt, so wird der Attraktor im zweidimensionalen Raum gefaltet. In der Abbildung ist dies als eine Überschneidung der Trajektorie mit sich selbst sichtbar.
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Footnotes
- ... Dimension4
- Die Dimension m muß dabei keineswegs ganzzahlig
sein, sondern sie kann die gebrochene Dimension eines seltsamen
Attraktors sein. Die Dimension dE hingegen muß eine ganze Zahl
sein, um die Einbettung praktisch durchführen zu können. Für
ganzzahlige m ergibt sich die in der Literatur auch gebräuchliche
Formel
.
- ... Iterationsschritt5
- Bei Iteratoren und zeitdiskreten Systemen wird im folgenden der Bezeichner T für die Zeitverschiebung benutzt. Er entspricht einem Iterationsschritt bzw. Zeitschritt.
- 1. Hintergrund des Einbettungstheorems
- 2. Wahl der Zeitverzögerung
- 3. Wahl der Einbettungsdimension dE
Previous: 1. Phasenraumdarstellung dynamischer Systeme Next: 1. Hintergrund des Einbettungstheorems Up: 2. Grundlagen der Chaostheorie Torsten Ziegler
![\begin{displaymath}\mathbf{X}(t_{a}) = \left[ \begin{array}{c} x(t_{a}) \\ x(t_... ...tau) \\ \vdots \\ x(t_{a}+\tau(d_{E}-1)) \end{array} \right] \end{displaymath}](diplomarbeit/diplo/img58.gif)





